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Schatz, lass uns eine Weltreise machen

  • Autorenbild: Anne Jonigkeit
    Anne Jonigkeit
  • 11. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Wie kommt man eigentlich auf diese Idee?


Herbst 2024.


Ich liege abends im Bett und scrolle durch mein Handy. Ein ganz normaler Abend. Irgendein Video taucht auf. Jemand reist. Wohin genau, weiß ich heute nicht mehr. Vielleicht war es sogar eine Reisefamilie. Was bleibt, ist ein Gedanke, der plötzlich da ist und sich nicht mehr wegschieben lässt: Warum machen wir eigentlich keine Weltreise? Warum nicht?


Zu diesem Zeitpunkt verdiene ich bereits Geld mit Networkmarketing. Ich weiß damals auch schon, dass ich nicht für immer im Büro bleiben werde. Dieses Wissen ist da. Und trotzdem fühlt sich mein Alltag eng an. Wiederholend. Vorhersehbar. Der Blick in die Zukunft macht mir kein gutes Gefühl. Wir funktionieren. Wir halten durch. Wir reden uns ein, dass das halt so ist. Das man das eben so macht. Und dann haben wir ja auch noch ein Kind…


Kamehameha Hwy an der Küste von Oahu, HI
Kamehameha Hwy an der Küste von Oahu, HI

Was man von außen nicht sieht: Ich trage da schon eine Erfahrung in mir, die alles verändert hat. Vier Jahre zuvor hatte ich Brustkrebs. Eine Diagnose, die mir sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Die das Leben plötzlich endlich macht. Und die eine Frage gnadenlos laut stellt: Wenn nicht jetzt, wann dann?


Es ist eben tatsächlich so, wie alle sagen. Und nach meiner Erkrankung konnte ich vieles nicht mehr so sehen wie vorher. Sicherheit fühlte sich plötzlich relativ an. Pläne auf später verschoben wirkten absurd. Ich wusste sehr genau, wie schnell sich alles ändern kann. Und dass Zeit kein Versprechen ist. Wovor sollte ich also Angst haben?


Auch Tobi war zu diesem Zeitpunkt am Limit. Viel Verantwortung. Viel Druck. Wenig Raum zum Atmen. Rückblickend waren wir beide näher am Burnout, als wir uns eingestehen wollten.


Irgendwann sage ich zu ihm, fast beiläufig, ohne große Erwartung:

Schatz, lass uns doch eine Weltreise machen. Er schaut mich an, lächelt müde und sagt: Ja klar. Wie soll das denn gehen?


Das Gespräch endet. Und ehrlich gesagt nehme ich es selbst nicht wirklich ernst. Es ist eher ein Gedanke, der kurz aufblitzt. Aber dieses Thema hat so eine Eigenart. Es kommt immer wieder zurück. Beim Kochen. Abends auf der Couch. In stillen Momenten. In lauten Momenten.


Und mir fällt etwas auf. Jedes Mal, wenn wir darüber sprechen, verändert sich etwas bei ihm. Seine Haltung wird weicher. Seine Stimme anders. Da ist plötzlich Leichtigkeit. Hoffnung. Eine Vorstellung davon, dass Leben mehr sein darf als funktionieren und durchhalten.


Also reden wir weiter. Ohne Plan. Ohne konkrete Schritte. Man kann ja wohl mal ein bisschen träumen…


Eines Tages kommt mein Mann also zu mir und fragt ganz direkt: Meinst du das eigentlich ernst mit der Weltreise? Und ich antworte: ja schon. Oder? Und ich frage mich irgendwie selbst, ob ich es ernst meine.


Wir sitzen an unserem Küchentisch. Kein besonderer Moment von außen betrachtet. Und doch ist es ein Wendepunkt. Wir schauen uns an und sagen es beide laut:

Lass uns doch eine Weltreise machen.


Fakt ist auch: Ohne meine Krebserkrankung hätten wir diese Reise nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Sie hat meinen Blick auf das Leben verändert. Auf Zeit. Auf Prioritäten. Auf das, was wirklich zählt. Dinge aufzuschieben fühlt sich seitdem nicht mehr richtig an. Zu warten auch nicht. Fakt ist auch: Ohne mein Online Business hätten wir diese Reise nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Denn sowas will schließlich finanziert werden. Wir sind Mitte 40, nicht mehr Anfang 20. Da sind Verpflichtungen die sich mit einem Flugticket an irgendeinen schönen Strand auch nicht wegdiskutieren lassen.


Ab diesem Moment bekommen Gedanken Raum. Wir sprechen über die USA. Über einen Van. Über lange Straßen und Zeit. Über Hawaii. Die Südsee. Bali. Norwegen. Es fühlt sich nicht mehr verrückt an. Es fühlt sich möglich an.


Also fangen wir an zu planen. Langsam. Schritt für Schritt. Und statt der Klärung von Fragen, kommen davon eigentlich täglich mehr dazu.


Aber First things First: Unser Sohn. Damals zehn Jahre alt. Seine erste Reaktion ist Skepsis. Und das ist vollkommen in Ordnung und so habe ich es auch erwartet. Schule, Freunde, Sicherheit. Alles Dinge, die zählen. Wir reden viel. Wir hören zu. Und irgendwann kippt etwas. Aus Zurückhaltung wird Neugier. Aus Neugier Zustimmung. „Aber können wir auch nach Singapur, die Formel 1 Strecke angucken?“


Er ist schon immer ein Reisekind gewesen. Sein erster Flug mit einem Jahr. Die erste Kreuzfahrt mit vier. Reisen war für ihn nie Ausnahme, sondern Teil unseres Lebens. Und tief in mir wusste ich schon lange, dass ich ihm die Welt zeigen möchte. Nicht später. Jetzt.


Heute, eineinhalb Jahre später, sind es noch genau sechs Monate, bis wir losfahren.


Und hier, auf diesem Blog, erzählen wir unsere Geschichte weiter. Ehrlich. Ungeschönt. Mit allen Gedanken, auch den unbequemen. Mit Zweifel, Angst, Herausforderungen, Mut und Vorfreude. Wir teilen, was uns bewegt und was wir unterwegs lernen.


Wir sprechen über Schule und darüber, dass wir vieles unterwegs herausfinden werden.

Über Geld, Verantwortung und Freiheit.


Und natürlich darüber, wohin diese Reise uns führt.


Das hier ist kein Ratgeber.

Es ist unser Weg.

Und vielleicht liest du mit, weil du spürst, dass auch dein Leben mehr sein darf als später.


XOXO, Anne

 
 
 

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