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Weltreise vorbereiten. Oder auch: Wie wir gerade unser ganzes Leben auseinandernehmen

  • Autorenbild: Anne Jonigkeit
    Anne Jonigkeit
  • vor 2 Tagen
  • 11 Min. Lesezeit

Von außen Abenteuer, hinter den Kulissen eher leichte Eskalation


Wenn man erzählt, dass man eine Weltreise plant, reagieren die meisten Menschen ziemlich ähnlich. Erst kommt dieses große „Wie cool!“, dann ein verträumter Blick, dann sowas wie: „Ach Wahnsinn, das ist ja auch mein absoluter Traum.“


Und ich verstehe das total (äh, es ist ja mein Traum), weil es sich ja auch erstmal genau so anhört. Nach Freiheit. Nach Abenteuer. Nach Sonnenuntergängen irgendwo am Meer, nach Familienzeit, nach neuen Ländern und diesem Gefühl von: Wir steigen einfach mal kurz aus dem Alltag aus und machen was richtig Großes.


Ganz ehrlich, genau so habe ich mir die Vorbereitung auf diese Reise selbst auch ein bisschen vorgestellt. Ich sah uns schon halbwegs sortiert und mit vernünftiger Laune abends am Esstisch, Laptops auf, ein paar schöne Unterkünfte raussuchen, hier mal einen Camper vergleichen, da mal die Route schieben, zwischendurch kurz über Kofferfarben diskutieren, als wären das echte Probleme, und am Ende sagen: So, Weltreise geplant. War etwas aufwendiger als ein Wochenende am Gardasee, aber alles im Rahmen.


Ja. Nein.


Die Realität ist eher: Wir wollten eine Reise planen und haben stattdessen versehentlich beschlossen, unser komplettes Leben in alle Einzelteile zu zerlegen, auf dem Boden auszubreiten und dann zu prüfen, was davon eigentlich weltreisetauglich ist.


Und bevor das hier jetzt klingt, als würde ich mich über meinen eigenen Lebenstraum beschweren: Genau darum geht es mir nicht. Ich weiß sehr genau, was für ein Geschenk diese Reise ist. Ich freue mich riesig darauf. Ich bin dankbar, dass wir das überhaupt machen können. Ich würde mich auch jederzeit wieder dafür entscheiden. Aber ich finde, genau deshalb darf man auch ehrlich erzählen, wie sich die Vorbereitung wirklich anfühlt. Denn zwischen „Wir machen eine Weltreise“ und „Wir sitzen bald irgendwo mit Camper und Sonnenuntergang“ liegt eben nicht nur Vorfreude, sondern auch ein ziemlich wilder Haufen aus Kündigung, Schulpflicht, Versicherungen, Finanzamt, Gewerbe, Geld, Verantwortung, Zweifeln und der Frage, warum niemand vorher erwähnt hat, dass man für so ein Abenteuer gefühlt nebenbei noch ein halbes Jura-Studium braucht.


Es geht mir also nicht ums Jammern. Wirklich nicht. Ich möchte nur nicht so tun, als bestünde diese Vorbereitung aus hübschen Pinterest-Boards, drei Buchungen und einem emotionalen Reel mit „follow your dreams“ im Hintergrund. Bei uns besteht sie gerade eher aus Tabellen, Telefonaten, Formularen, Diskussionen, Excel und dem leisen Gefühl, dass einer von uns demnächst aus Versehen einen Versicherungsvertreter heiratet, einfach weil dieses Thema so viel Raum einnimmt.


Denn so fühlt es sich im Moment manchmal an. Als hätten wir gesagt: Komm, wir machen ein Abenteuer. Und das Leben hat geantwortet: Klar, gern. Vorher füllt ihr bitte noch 38 Formulare aus, trefft 120 Entscheidungen, diskutiert über Schulrecht, überprüft eure komplette finanzielle Existenz, sortiert eure Beziehung einmal durch und schaut nebenbei noch, wie ihr eure Medikamente in Neuseeland organisiert. Viel Spaß, ihr Mäuse.


Die romantische Version war: kündigen, Koffer packen, losfahren


Die romantische Version dieser Geschichte wäre ja: Wir hatten einen Traum, wir haben beschlossen, ihn zu leben, ich habe meinen Job gekündigt, wir packen unsere Koffer und fahren los. Ende. Dramatische Musik, ein paar Tränchen, Sonnenuntergang, fertig.


Die echte Version ist eher: Wir hatten einen Traum, wir haben beschlossen, ihn zu leben, ich habe meinen Job gekündigt und dann saß ich plötzlich da und hatte das Gefühl, dass mein Nervensystem ganz gern kurz frische Luft schnappen würde. Allein. Für drei bis fünf Werktage.


Ich glaube, ich habe wirklich unterschätzt, was es emotional bedeutet, nach 14 Jahren einen sicheren Job zu kündigen. Vierzehn Jahre sind nicht „ach, da war ich halt ein bisschen angestellt“. Vierzehn Jahre sind ein riesiger Teil meines Erwachsenenlebens. Das ist Routine, Verlässlichkeit, Gehalt, Kolleginnen und Kollegen, ein Platz, an dem du weißt, was du tust, wer du bist und wie dein Alltag funktioniert. Das wirfst du nicht wie einen Kassenzettel von dm in den Papierkorb. Du triffst eine bewusste Entscheidung gegen Sicherheit und für etwas, das wunderschön ist, aber eben auch komplett offen.


Und natürlich fühlt sich das nicht nur mutig an. Es fühlt sich zwischendurch auch an, als hätte man im Vorbeigehen mal eben das Fundament seines Erwachsenenlebens ausgebaut und würde jetzt hoffen, dass das Haus trotzdem stehen bleibt.


Ich dachte wirklich, die Kündigung wäre der große, harte Schritt und danach würde sich alles ein bisschen sortieren. So nach dem Motto: Okay, Entscheidung getroffen, jetzt organisieren wir den Rest. Ein bisschen Bürokratie, ein bisschen Planung, ein paar Excel-Tabellen, fertig. Ich habe offenbar komplett verdrängt, dass eine Weltreise nicht dasselbe ist wie drei Wochen Sommerurlaub in Italien, nur mit mehr Sonnencreme und weniger Rückflug.


Wir planen nicht nur eine Reise. Wir nehmen gerade unser komplettes Leben auseinander


Wir reden hier ja nicht von „wir fahren mal kurz weg“, sondern von einem Jahr unterwegs. Mit Kind. Mit Business. Mit Wohnung in Deutschland. Mit laufenden Kosten. Mit Schulpflicht. Mit Versicherungen. Mit einem Gewerbe. Mit der Frage, ob man seinen Wohnsitz abmeldet, ob das Finanzamt dann Schnappatmung bekommt, was das für die Krankenkasse bedeutet und warum plötzlich jeder zweite Satz mit „Das kommt drauf an“ anfängt.


Ich kann dir sagen: Es gibt kaum etwas, das einen so schnell demütig macht wie deutsche Bürokratie in Kombination mit Weltreiseplanung. Du fängst ganz harmlos an und denkst, du schaust mal kurz, wie das mit dem Wohnsitz läuft. Drei Stunden später sitzt du in einem Loch aus Paragraphen, Erfahrungsberichten, Forenbeiträgen und halbgaren Aussagen von Leuten, die „das mal ähnlich gemacht haben“, aber dann doch nur vier Monate in Portugal waren und am Ende auch nicht wissen, wie das mit dem Gewerbe war. Ich habe in den letzten Monaten Dinge gegoogelt, bei denen ich mir selbst beim Tippen dachte: Anne, wer bist du eigentlich geworden?


Gleichzeitig musst du klären, was mit deinem Kind und der Schule passiert, welche Unterlagen wir brauchen, wie wir das mit dem Lernen unterwegs organisieren, welche Versicherung für uns Sinn ergibt, welche Kosten in Deutschland weiterlaufen, wie viel Puffer wir brauchen und ob ich bitte noch irgendwo eine Schublade finde, in der ich kurz mein Gehirn zwischenlagern kann. Am besten beschriftet mit „Achtung, überhitzt“.


Was ich damit sagen will: Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass man sich für eine Reise plötzlich so intensiv mit dem kompletten Fundament seines Lebens beschäftigen muss. Man packt ja nicht nur Koffer. Man packt plötzlich Themen an, die sonst jahrelang still im Hintergrund liefen, weil sie eben liefen. Wohnung. Arbeit. Schule. Einkommen. Krankenversicherung. Altersvorsorge. Geschäftsadresse. Medikamente. Rücklagen. Es ist, als würde man einmal unter die Motorhaube des eigenen Lebens schauen und feststellen, dass da sehr viel mehr drinsteckt, als man dachte. Und alles muss auf einmal geprüft, sortiert, entschieden und irgendwie auf Reisemodus umgebaut werden.


Mit Kind wird aus jeder organisatorischen Frage sofort auch eine emotionale


Besonders krass finde ich dabei alles, was mit meinem Sohn zu tun hat, weil da aus jeder organisatorischen Frage sofort auch eine emotionale wird. Wenn du als Paar sagst, wir gehen auf Weltreise, dann ist das eine große Entscheidung. Wenn du als Familie gehst, hat sie sofort noch ein ganz anderes Gewicht.


Niki freut sich sehr auf die Reise, und das macht mich natürlich glücklich. Er hat Lust auf das Abenteuer, auf neue Länder, auf all das, was wir erleben wollen. Und trotzdem sitzt da diese Mutterstimme in mir, die nicht einfach applaudierend am Rand steht, sondern permanent noch ein paar Zusatzfragen einwirft. Nicht, weil sie die Reise blöd findet, sondern weil sie ihren Job sehr ernst nimmt und leider wirklich nie Feierabend hat.


Da kommen dann Gedanken wie: Ist das wirklich gut für ihn? Was macht es mit ihm, aus seinem Alltag rauszugehen? Was bedeutet das schulisch? Was bedeutet es emotional? Wird er später sagen, das war die beste Zeit meines Lebens, oder gibt es Dinge, die wir heute noch gar nicht sehen? Ich weiß, dass man so eine Reise einem Kind auf eine Art schenken kann, die unbezahlbar ist. Zeit zusammen, echte Erlebnisse, Weltwissen, Flexibilität, Erinnerungen, Begegnungen, all das. Ich glaube fest daran.


Und gleichzeitig ist Muttersein eben kein sauberer, rationaler Vorgang, bei dem du einmal alle Pro- und Contra-Punkte nebeneinanderlegst und am Ende entspannt unterschreibst. Muttersein ist eher so, als würde jemand bei jeder größeren Entscheidung zusätzlich noch eine Portion schlechtes Gewissen, drei neue Worst-Case-Szenarien und einen kleinen inneren Untersuchungsausschuss mit an den Tisch setzen. Gratis. Ohne, dass du darum gebeten hättest.


Das Schwierigste ist nicht die To-do-Liste. Es ist das Gefühlschaos daneben


Dazu kommt, dass ich selbst gemerkt habe, wie viele widersprüchliche Gefühle gleichzeitig in einen Menschen passen. Ich freue mich wirklich wie verrückt auf diese Reise. Ich habe Momente, da könnte ich sofort losfahren. Da sehe ich uns schon irgendwo in den USA mit Camper, dann in Neuseeland, in Bali, in Norwegen, und ich spüre genau, warum wir das machen. Warum uns dieser Traum nicht losgelassen hat. Warum ich nicht einfach sagen konnte: Ach komm, lassen wir’s, das Leben ist auch so ganz nett.


Und dann sitze ich zwei Stunden später über irgendeiner Kostenaufstellung oder einem Schulformular und denke: Anne, was genau hast du dir da eigentlich ausgedacht und warum konnte es nicht einfach ein Wellnesswochenende im Allgäu sein, mit Bademantel, Frühstücksbuffet und null Kontakt zum Finanzamt?


Ich finde genau das fast am anstrengendsten. Nicht die To-do-Liste. Nicht mal die Bürokratie. Sondern dass diese Vorbereitung emotional so viel mehr aufmacht, als ich gedacht hätte. Da ist Freude und Angst. Vorfreude und Überforderung. Dankbarkeit und Zweifel. Mut und das ganz klare Bedürfnis, sich kurz unter einer Decke zu verstecken und so zu tun, als müsste man nur noch den Wocheneinkauf erledigen.


Ich hatte wirklich geglaubt, eine klare Entscheidung bringt automatisch auch innere Klarheit mit. Stattdessen bringt sie erstmal Bewegung in alles. In die Beziehung zu Geld. In das eigene Sicherheitsbedürfnis. In alte Muster. In die Frage, wie viel Risiko sich gut anfühlt und ab wann es anfängt, einem nachts um halb drei im Bett auf die Schulter zu tippen wie ein schlecht gelaunter Mitarbeiter vom Ordnungsamt.


Geld ist in der Weltreiseplanung leider kein nüchterner Tabellenpunkt


Und ja, Geld ist natürlich auch so ein Thema, das in dieser Vorbereitung ständig mit am Tisch sitzt. Nicht mal nur in Form von Zahlen, sondern vor allem als Gefühl. Natürlich rechnen wir. Natürlich planen wir. Natürlich schauen wir, was Unterkünfte kosten, was Versicherungen kosten, was wir unterwegs brauchen, welche laufenden Ausgaben hier bleiben, welche Puffer sinnvoll sind. Aber das Schwierige ist gar nicht, eine Tabelle zu bauen. Das Schwierige ist, dass keine Tabelle der Welt dir am Ende die eine Sache geben kann, nach der man sich in solchen Phasen am meisten sehnt: absolute Sicherheit. Die gibt es nicht. Und genau das muss man aushalten.


Und dann hängt an dem Thema Geld natürlich auch noch mein Business - nein, mein Herzensbusiness. Das ist für mich nicht einfach nur „mein Job unterwegs“, sondern zum einen der Grund, warum wir diese Reise überhaupt in Betracht gezogen haben und auch ein großer Teil der Frage, wie sicher sich diese Reise am Ende anfühlt. Ich fahre also nicht nur mit Vorfreude los, sondern auch mit dem Wissen, dass mein Business weiterlaufen, tragen und im besten Fall sogar wachsen darf (muss?). Das ist wunderschön, weil es mir diese Freiheit überhaupt erst mit ermöglicht, und gleichzeitig natürlich auch ein Druck, der in manchen Momenten ziemlich laut mit am Tisch sitzt.


Ich merke auch, dass rund um Geld noch so eine andere Ebene auftaucht, über die ich vorher gar nicht so nachgedacht habe. Nämlich diese Frage, ob man sich so einen Traum überhaupt „erlauben“ darf. Ob es okay ist, dafür Geld auszugeben. Ob man dankbar genug ist. Ob man bescheuert ist. Ob beides gleichzeitig geht. Und ich glaube inzwischen, genau das ist die Wahrheit: Natürlich kann ich wissen, dass diese Reise ein Geschenk ist, und trotzdem an manchen Tagen mit weichen Knien auf mein Budget schauen. Natürlich kann ich glücklich sein und mich gleichzeitig fragen, ob wir uns irgendwo verrechnet haben. Das eine schließt das andere nicht aus. Es macht die Sache nur menschlich.



Auch eine Beziehung fährt bei so einer Vorbereitung Achterbahn


Und dann ist da noch die Beziehung. Auch so ein Punkt, den man auf diesen schönen Weltreise-Accounts eher selten zwischen den Palmenfotos findet. Da sieht man dann Paare, Insta-tauglich mit Sonnenhut vor dem Camper, und ich denke mir jedes Mal: Schön für euch. Wirklich. Bei uns sieht die Wahrheit eher meist so aus, dass wir uns natürlich sehr lieben und diesen Traum gemeinsam wollen, aber eben trotzdem zwei ganz normale Menschen sind, die unter Stress nicht plötzlich zu tiefenentspannten Zen-Mönchen mutieren.


Wir haben unterschiedliche Arten, mit Druck umzugehen. Unterschiedliche Belastungsgrenzen. Unterschiedliche Momente, in denen wir zuversichtlich sind oder eben auch nicht. Und natürlich macht es etwas mit einer Beziehung, wenn du nicht nur eine Reise planst, sondern parallel Arbeit, Geld, Kind, Zukunft, Sicherheit und Identität einmal komplett neu sortierst.


Ich will das gar nicht dramatisieren. Ich finde es eher ehrlich. So eine Vorbereitung ist eben nicht nur romantisches Zusammenrücken am Laptop, sondern manchmal auch genervtes Schweigen, Missverständnisse, Erschöpfung, die Erkenntnis, dass man gerade zum fünften Mal über dasselbe Thema redet, und der leise Wunsch, dass jetzt bitte wenigstens einer von beiden einmal ganz kurz die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Leider passiert das in der Regel genau dann nicht, wenn man es dringend bräuchte.


Mein Körper sitzt bei dieser Planung die ganze Zeit mit am Tisch


Was bei mir zusätzlich immer mit am Tisch sitzt, ist mein Körper. Ich plane diese Reise nicht als 22-Jährige mit Interrail-Ticket und dem festen Glauben, dass der Körper schon irgendwie mitzieht. Ich plane sie als Frau, die ihre eigene Geschichte mitbringt. Mit einer Krebserfahrung, die meinen Blick auf Sicherheit und Leben komplett verändert hat. Mit (chronischer) Migräne. Mit einem hochsensiblen Nervensystem, das auf Belastung manchmal deutlich schneller anspringt, als ich es mir wünschen würde.


Das heißt nicht, dass ich die Reise mit Angst plane. Aber ich plane sie mit Respekt. Mit dem Wissen, dass ich nicht einfach irgendwo blind reinmarschiere und davon ausgehe, dass schon alles irgendwie läuft. Natürlich denke ich darüber nach, wie wir das mit Medikamenten machen, was ich unterwegs brauche, wie wir Arzttermine organisieren, und ganz ehrlich auch was mir Sicherheit gibt, wenn wir monatelang unterwegs sind.


Früher hätte ich solche Gedanken vielleicht als übervorsichtig abgetan. Heute kann ich sie annehmen und weiß, dass sie einfach Teil meiner Realität sind und ehrlich gesagt auch Teil einer guten Vorbereitung. Im echten Leben reist eben nicht nur dein Koffer mit, sondern auch dein Körper, deine Geschichte und alles, was du schon erlebt hast. Das blendet man auf einem hübschen Reisefoto gern mal aus. In der Planung sitzt es trotzdem sehr zuverlässig mit am Tisch.


Es geht mir nicht ums Jammern. Es geht mir um meine Wahrheit hinter dem schönen Bild


Und obwohl das jetzt alles nach sehr viel klingt, will ich es nochmal klar sagen: Ich schreibe das hier nicht, um mich über einen Traum zu beklagen, den wir uns bewusst ausgesucht haben. Ich schreibe es, weil ich selbst merke, wie schnell man in solchen Phasen dazu neigt, nur die schönen Bilder zu zeigen und die komplizierten Gefühle stillschweigend rauszuschneiden.


Vielleicht auch, weil man Angst hat, undankbar zu wirken. Oder dramatisch. Oder nicht mutig genug. Aber wird es nicht da erst richtig interessant? Nicht in dem Moment, in dem am Ende alle hübsch am Flughafen stehen und mit Tränen in den Augen in die Kamera winken, sondern in dem Dazwischen. In diesem wilden, chaotischen, manchmal lustigen, manchmal überfordernden Teil, in dem man sich fragt, ob man gerade eine Reise plant oder versehentlich sein komplettes Leben neu erfindet.


Diese Weltreise beginnt für mich nicht erst dann, wenn wir im Flieger sitzen oder irgendwo auf einem Campingstuhl in den Sonnenuntergang schauen. Sie hat längst angefangen. In all den Gesprächen, in den Zweifeln, in den Listen, in den Formularen, in den Entscheidungen, die man nicht mal eben locker aus dem Ärmel schüttelt. Sie beginnt in dem Moment, in dem du merkst, dass du nicht einfach nur ein Abenteuer pauschal buchst, sondern dass du dich selbst ein Stück weit mit umbauen musst, damit dieses Abenteuer überhaupt Platz in deinem Leben bekommt.


Warum wir es trotzdem machen? Genau deswegen


Vielleicht ist genau das die Wahrheit, die ich selbst vorher nicht verstanden habe: Eine Weltreise vorzubereiten heißt nicht nur, Orte zu planen. Es heißt, loszulassen. Sicherheiten zu hinterfragen. Ängste auszuhalten. Verantwortung neu zu sortieren. Sich als Paar nicht verlieren, wenn beide gerade unter Strom stehen. Als Mutter Entscheidungen zu treffen, obwohl es für die wirklich wichtigen Fragen keine glasklaren Antworten gibt. Und gleichzeitig trotzdem die Vorfreude nicht zu verlieren und sich immer wieder daran zu erinnern, warum man das alles überhaupt macht.


Wir machen das eigentlich, weil wir leben wollen. Aber eben nicht erst, wenn wir in Rente sind, sondern jetzt. Wir machen das, weil dieser Traum nicht mehr wegging. Weil wir wissen, dass uns diese gemeinsame Zeit niemand mehr zurückgeben kann. Weil ich meinem Sohn zeigen will, dass Angst niemals dein Leben diktieren sollte. Weil ich selbst nicht irgendwann zurückschauen und denken möchte, dass wir uns aus Angst vor dem Chaos davor gegen etwas entschieden haben, das uns eigentlich gerufen hat.


Und falls du gerade an einem Punkt in deinem Leben stehst, an dem du spürst, dass da etwas ruft, aber der Weg dahin alles andere als perfekt aussieht, dann kennst du dieses Gefühl vielleicht. Dass man etwas von ganzem Herzen will und gleichzeitig trotzdem Schiss hat. Dass man dankbar ist und trotzdem zweifelt. Dass man sich riesig freut und an manchen Tagen am liebsten den Kopf unter die Decke stecken würde. Ich glaube inzwischen, genau so sieht Veränderung oft aus. Nicht geschniegelt, nicht glamourös, nicht mit Dauerlächeln und Sonnenuntergangsfilter, sondern emotional und manchmal auch ziemlich absurd.


Und jetzt mal ehrlich: Kennst du dieses Gefühl?


Gab es in deinem Leben schon mal eine Entscheidung, auf die du dich riesig gefreut hast und die dir gleichzeitig komplett den Kopf verdreht hat?


Oder planst du selbst gerade etwas Großes, bei dem nach außen alles aufregend aussieht, während hinter den Kulissen eher leichte Eskalation herrscht?


Dann schreib mir super gern in die Kommentare. Ich würde wirklich gern wissen, ob du dieses wilde Dazwischen auch kennst.

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